Medical Detective Storys

Ein hinterhältiger Anschlag auf die Gesundheit

„Guten Morgen, Bernd“, ruft mein stets gut gelaunter Kollege Wolfgang quer über den Parkplatz. „Dann wollen wir den Deal heute endlich unter Dach und Fach bringen.“ Ich hebe die Hand und winke ihm zu, antworte aber nicht. Es geht einfach nicht. Ich fühle mich wie durch den Fleischwolf gedreht und will nur noch in mein Büro und in Ruhe gelassen werden. Ich hatte schon lange nicht mehr eine so heftige Grippe. Das sah mir gar nicht ähnlich. Projektleiter Bernd wurde nie krank. Mir ging es immer gut, ich war voller Energie und ein Mann, auf den man sich im Beruf und auch privat einfach verlassen konnte – ein guter Kerl eben. Besagter Deal sollte der Höhepunkt meiner Karriere werden. Ich konnte jetzt nicht krank werden. Wahrscheinlich war ich auch nur überarbeitet

Nach der letzten Unterschrift würde ich erst einmal ein paar Tage wegfahren und mich ein wenig erholen. Als ich in den Fahrstuhl stieg, kam Wolfgang dazu und fragte stirnrunzelnd: „Wirst du jetzt faul im Alter?“

„Es geht mir nicht so gut heute Morgen.“ Dritter Stock, vierter, fünfter. Der Aufzug brauchte ewig. Endlich kam ich in mein Büro. Er atmete tief durch. Mein Kopf fühlte sich an wie Matsche. Mein Rücken und meine Gelenke schmerzten und ich konnte mich kaum aufrecht halten. Die Tür öffnete sich nach einem kurzen Klopfen und Nicole stolzierte mit einer Tasse Kaffee in der Hand herein. „Guten Morgen, Chef. Heute ist endlich der große Tag.“ Sie strahlte mich an, während sie mir den Kaffee auf den Schreibtisch stellte.

Als ich nicht gleich antwortete, betrachtete sie mich genauer und fragte: „Stimmt was nicht? Sie sehen heute Morgen nicht so gut aus. Kann ich etwas für Sie tun? Um zehn ist das Meeting mit den Chinesen mit anschließender Vertragsunterzeichnung und dann ist ein gemeinsames Mittagessen im City-Hotel vorgesehen. Das Ganze wird wohl bis 15.00 Uhr dauern.“ Wie immer ratterte sie mein Tagesprogramm kurz und knapp herunter.

Was für eine Katastrophe. Ich konnte mit den Augen kaum fokussieren und als ich eine Hand an die Schläfe hob, merkte er zu seinem Entsetzen, dass meine Haut völlig taub war. Was war bloß los mit mir? Ich fühlte sich zwar schon seit ein paar Tagen müde, aber das ging allen so nach den vielen Überstunden. Bis jetzt hatte ich so etwas immer gut weggesteckt.

„Gehen Sie doch bitte zur Apotheke für mich und holen mir ein paar ordentliche Grippe-Medikamente, damit ich wenigstens noch heute durchhalte.“

„Vielleicht wäre es besser, zum Arzt zu gehen“, wagte sie vorzuschlagen.

 „Der kann mir auch nicht helfen. Ich brauche jetzt ein paar Pillen und dann wird es schon wieder gehen. Nun gehen sie schon“, sagte ich ungewollt barsch.

Sofort machte sie sich auf den Weg. Einen solchen Tonfall war sie von ihrem Chef gar nicht gewöhnt. Er war sonst immer höflich und zuvorkommend. Im Treppenhaus begegnete ihr der Abteilungsleiter Wolfgang Schulz, der sie sofort anhielt.

„Was ist denn mit dem Chef los?“, fragte er und beugte sich unangenehm nahe zu ihr herab.

„Es geht ihm nicht gut. Mehr weiß ich auch nicht.“ Schnell flüchtete sie und ging zu ihrem Auto.

***

Eine knappe Stunde später stand sie wieder vor mir und schüttete eine ganze Tüte voller Medikamente vor mir aus. „Der Apotheker wünscht Ihnen gute Besserung und rät Ihnen dringend, einen Arzt aufzusuchen.“

„Ja, ja“, antwortete ich, wobei mir der kalte Schweiß inzwischen auf der Stirn stand. „Nun geben Sie schon her und bringen sie mir bitte ein Glas Wasser.“ Ich fischte die Schmerztabletten aus dem Haufen und öffnete die Packung mit zitternden Fingern.

Als Nicole mir das Wasser brachte, streckte sie mir noch einen Zettel hin. „Die Telefonnummer hat der Apotheker mir auch für sie gegeben. Wenn sie schon nicht zu einem herkömmlichen Arzt gehen wollen, sollten sie hier mal anrufen. Das ist die Nummer eines Medical Detectives. Die kann Ihnen zumindest sagen, was Ihnen fehlt.“

Als ich keine Anstalten machte, den Zettel zu nehmen, steckte sie ihn mir wortlos in die Tasche meines Jacketts.

Kurz darauf kam Wolfgang, um mich zum Meeting mit den Chinesen abzuholen. Erschrocken betrachtete er mich.

„So kannst du nicht gehen. Du gehörst ins Bett. Ich rufe jetzt deine Frau an, dass sie dich abholt. Keine Widerrede.“ Ich nickte schon fast dankbar. Ich hatte so rasende Kopf- und Rückenschmerzen, dass ich schon nicht mehr klar denken kann. Die Schmerztablette hatte keinerlei Wirkung gezeigt.

Zehn Minuten später stand meine Frau Irene in der Tür. Sie stürzte auf mich zu und rief besorgt: „Liebling, was ist?“ Als sie mich am Gesicht berührt zuckte ich zusammen, als hätte ich mich verbrannt. Mein Kopf fühlte sich an, als wäre er gar nicht durch eine Hautschicht geschützt, sondern wie rohes Fleisch.

Mit Wolfgangs Hilfe brachte sie mich zum Auto. Schnell machten sie sich auf den Weg.

Als es mir nach zwei Tagen und unzähligen Schmerzmitteln immer noch nicht besser ging, erlaubte ich Irene, einen Termin beim Arzt zu vereinbaren. Dieser wusste jedoch auch keinen Rat. Ein paar Tage später fand Irene die Telefonnummer des Medical Detective in meiner Jacketttasche und fragte mich, ob der Zettel wichtig sei. Als ich keine Antwort weiß, ruft sie wohlweislich Nicole an. Diese klärte sie auf und Irene ruft die Nummer sofort an.

***

Jetzt kommt also der Medical Detective ins Spiel. Wird sie eine Lösung finden? Da die Detektivarbeit eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, schickt ihm der Medical Detective erst einmal medial Heilenergie und teilt ihm das auch per einer WhatsApp Nachricht mit. Dann beginnt sie mit der Recherche. Bernd las die WhatsApp-Nachricht, und überlegte, was das jetzt für ein Hokuspokus sein sollte. Kurz darauf schläft er zum ersten Mal seit mehreren Tagen ein und wacht erst am späten Abend fast schmerzfrei auf. Er bedankt sich noch schnell mit einer Nachricht bei dem Medical Detective. Am darauffolgenden Tag erhält er von ihr das Ergebnis ihrer Recherche. Es sind fast alles kleinere Probleme, die sich mit Homöopathie gut lösen lassen. Nur ein Bereich im Körper meldet sich, dem er erhöhte Aufmerksamkeit schenken soll: der Kiefer verursacht Probleme! Sofort vereinbart Irene einen Termin beim Zahnarzt und siehe da: ein Zahn im Unterkiefer ist völlig vereitert und hat ihn krank gemacht! Nach einer gründlichen Wurzelbehandlung sind alle Schmerzen beseitigt. Das Leben ist wieder lebenswert dank meines Medical Detectives .

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